Die Ballade von Johann aus dem Islek

Jacques Berndorf, alias Michael Preute hat seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert.
Dem in Dreis-Brück lebenden Krimi-Autor hat Karl Vanderkyll (alias Helmut Schwickerath) eine blutige Ballade gewidmet, die ein neues Genre eröffnet:

den Eifel-Western
 

Zum Verständnis:
Gaalien = Hosenträger
Batralzem = bitterer Balsam, ein Aufgesetzter aus Korn und wildem Wermut (von Nicht-Eifelern kaum zu ertragendes Getränk)

Nach der Dorfchronik von 1876

Lag einst auf karger Bergeshöh’ ein kleiner Hof im Eifelschnee.
Dort lebte Johann, der mit Mühen samt Vater, Mutter und zwei Kühen
in harter Fron und großer Not sich plagte für sein täglich Brot.

Im Winter pfiff der kalte Wind. Die Mutter seufzte: “Armes Kind!”
Doch Johann packte ohne Klagen jedwede Arbeit forsch beim Kragen.
War auch statt Milch im Euter Eis, er lachte nur: “Kuh, mach kein Scheiß!”

An einem Samstagabend dann zog er den schwarzen Anzug an.
Zur Mutter sprach er: “Oh, du Gute, jetzt wird es Zeit, daß ich mich spute!”
Schon zog er seine Gaalien an, denn da hing seine Hose dran.

Ins Nachbardorf zum Kirmestanz wollt’  er enteilen, aber ganz
voll Ahnung rief das Müttertier: “Laß doch das Taschenmesser hier!
Ich kenne doch dein feurig Blut und weiß genau: Das geht nicht gut!”

Den Johann rührte nicht ihr Flehn; voll Hochmut sprach er: “Ich muß gehn!”
Und schon nach einer halben Stunde saß er in froher Zecherrunde.
“He, Wirt” schrie er, “sei nicht so klott! Sieben Batralzem, aber flott!”

Der scharfe Balsam macht’ ihm Mut, er murmelte: “Ja, das tut gut”
Schon stieg die Kraft in seine Lenden, ein Zittern spürt’ er in den Händen
und seine Augen blickten starr zur Nachbarin Veronika.

Er näherte sich ihr galant und schmeichelte: “Wie elegant
ist deine Sonntags-Kittelschürze! Du bist wie Maggi-Doppelwürze
in einem Topf Kartoffelsuppe! Komm, laß uns tanzen, süße Puppe!”

Er drückt’ sie fest an seinen Bauch - so ist’s seit je im Islek Brauch -
und lenkt’ mit seinem starken Knie des Vronchens Leib wie ein Stück Vieh.
Er dachte grad’: “Heut will ich’s wissen!”, da wurd’ er jäh herumgerissen.

Matthias war’s, des Vronchens Gatte, den Johann glatt vergessen hatte.
“Du Ferkel!”, schrie der, “du verruchter Drecksköter, Saukopf, Gottverfluchter!”
und riß mit seiner Hand, der losen die Gaalien von Johanns Hosen.

Die rutschte runter bis zur Wade, doch Johann konnte noch gerade
sein Taschenmesser blitzschnell retten, es rammen in den Bauch, den fetten
von Vronchens Ehemann Matthias; der fiel tot um uns sprach: “Das war es”.

Der Johann machte sich von hinnen, lief durch die Wälder wie von Sinnen,
kämpfte mit Wölfen um sein Leben, bis er mit letzter Kraft soeben
zum Hafen kam von Rotterdam; dort heuert’ er als Seemann an.

Sein Käptn schrie: “Die Segel klar! Wir schiffen nach Amerika.”
Die Fahrt war rau, das Wasser naß, schon bald verging ihm jeder Spaß.
So kam er ins gelobte Land: Johann - der Islek-Emigrant.

Er kauft’ sich gleich von seiner Heuer für sieben Dollar - gar nicht teuer! -
einen Revolver samt Patronen, die nannte man dort: “blaue Bohnen”.
Er brachte Menschen um für money und hieß alsbald der “Islek-Jonny”.

Er wurd zum Schrecken der Prärie. Selbst Wyatt Earp fiel auf die Knie
und bettelt’ wimmernd um sein Leben, Doc Holliday lag gleich daneben
und bat ihn unter schwerem Husten, sein Lebenslicht nicht auszupusten.

Einst saß er in `ner kleinen Bar beim neunten Becher Tequila,
als draußen auf dem heißen Pflaster ein Reiter ritt über die Plaza.
Er hielt ne Pfeife stramm im Mund, und neben ihm hechelt’ ein Hund.

Der Fremde stieg von seinem Rappen. Er ließ die Schwingtür langsam klappen,
glitt wie ein Puma hin zum Tresen (als sei er dort zu Haus gewesen)
und sprach zur schönen Chiquita: “Einen Batralzem für DEN da!”

Den Jonny überkam ein Krampf, er wußte gleich: “Jetzt kommt’s zum Kampf!”
Blitzschnell griff er nach seinem Eisen. Er konnte es heraus noch reißen,
da traf ihn schon das heiße Blei mitten ins Herz - es war vorbei!

Halbtot verschlug es ihn zu Boden. Es zuckten kaum noch seine Hoden,
doch seine Lippe sprach verstört: “Hatt’ auf die Mutter ich gehört,
mein Taschenmesser ihr gegeben, dann ging es jetzt nicht um mein Leben!”

Nun lag er da und  röchelt’ noch. Das Blut floß aus dem Einschußloch.
Er schaut’ zum Fremden ohne Ruh und fragt verzweifelt: “Wer bist Du?”
Darauf sagt’ der mit kaltem Blick: “Ich bin der Sheriff von Dreis-Brück.”

So blutig endet die Geschicht’ von Johann aus der Unterschicht.
Du, Michael, Du hast es besser,  Du hast Dein scharfes Taschenmesser,
der Geli lang schon übergeben. Darum wirst DU noch lange leben!

Entlehnt aus: KATZ 2007 - Kritisches Trierer Jahrbuch - mit freundlicher Genehmigung des Autors
Helmut “SCHWICK “ Schwickerath. Internet: www.katztrier.de